Whisky & Vinyl – Session #1 – Review

session_1

Whisky & Vinyl – Session #1 – Review
4 Freunde – 4 Platten – 4 Flaschen

Da waren einmal 4 Freunde, die hatten 4 Schallplatten & 4 Flaschen Whisky.
Sie alle trafen sich an einem verheißungsvollen Mittwoch irgendwo in Berlin.
Es gab graaaandioses Essen! Eine gute, solide Grundlage war an diesem
Abend wirklich ‘ne hervorragende Idee. Schon sehr bald ploppten nämlich
vielversprechend die erste Korken. Der herrliche Duft von Torfrauch
(ja, Torf kann echt super riechen), süßen Früchten und aromatischem Eichenholz
überflutete schnell den ganzen Raum. Die Verkostung startete, die Gläser klirrten,
ein fröhlicher Abend nahm seinen Lauf und eine Tradition begann.
Untermalt wurde dieses Geschmacks- und Geruchserlebnis von passender
Musik – natürlich handverlesen und sorgfältig auf den Whisky abgestimmt.

Spielregeln: Whisky & Vinyl
Die Regeln für diese Abende sind sehr einfach. Jeder bringt ‘nen Whisky
und ‘ne Platte mit, stellt beides vor und anschließend 
wird diese Kombination
verköstigt, genossen sowie bewertet… mit Nase, 
Mund und Ohren.

Andi, Eva, Matze & David wählten folgende Leckerbissen aus:

  • Andi – Pairing #1:
    Tomintoul
     
    (Speyside – Glenlivet)
    10 Jahre – Ex-Bourbonfässer & Sherry
    Melody Gardot – Worrisome Heart
    2008 veröffentlicht – Debütalbum – Label: UCJ Music
  • Eva – Pairing #2:
    Auchentoshan Three Wood (Lowlands)
    10 Jahre im Ex-Bourbonfass – 2 Jahren im Oloroso Sherryfass – Finish für
    6 Monate im Pedro Ximenez Sherryfass – dreifach destilliert – nicht rauchig
    Nancy Sinatra & Lee Hazlewood – Did You Ever
    1971 veröffentlicht – Label: RCA Victor
  • Matze – Pairing #3:
    The Ardmore – Port Wood Finish
    (Highlands)
    12 Jahre – Ex-Bourbonfässer – Finish in Portweinfässern – leicht rauchig (12 ppm)
    Pink Floyd – Animals
     (Farbige Sonderpressung)
    Januar 1977 veröffentlicht – das zehnte Studioalbum der englischen Band
    Label: Columbia Records
  • David – Pairing #4:
    Compass Box – The Peat Monster
    (Blended Malt)
    Das Peat Monster besteht aus Malts folgender Destillerien:
    Laphroig, Ledaig (Tobermory), Caol Ila, Ardmore, Clynelish, Teaninchin & Dailuaine
    Black Rebel Motorcycle Club – The Howl Sessions

    April 2012 zum Record Store Day veröffentlicht

Wir hörten und tranken uns durch einen extrem gemütlichen Abend.
Es war rundum lecker, spannend und lehrreich. Wenn 4 unterschiedliche
Geschmäcker aufeinandertreffen, ist eine gewisse Horizonterweiterung
unumgänglich – und das ist super – also immer her mit den Eindrücken!

Pairing #1: Tomintoul 10 + Melody Gardot
Es begann also mild und lieblich. Ein relativ junger, leichter, frischer
Speysider kam daher, straight, ehrlich und schnörkellos. Dieser
Tomintoul war der perfekte Startschuss und an diesem Abend ein gelungener
Aperitif. Ich habe vorher leider noch nie ‘nen Tropfen aus der Tomintoul
Distillery verkosten können. Der 10-jährige “Einsteiger” der Brennerei, die
damit wirbt, den „the gentle dram“  zu produzierender, macht aber
reichlich Lust auf mehr.

Musikalisch wurden die ersten knapp 33 Minuten unserer Session von
Melody Gardot begleitet. Passt das denn zu diesem unbeschwerten Malt?
Ich denke ja – ziemlich gut sogar! Der erste Eindruck des Tomintoul 10 ist
überraschend würzig, ja fast etwas bissig und scharf.
Dieses Gefühl verflüchtigt sich aber erfreulich schnell. Bald gewinnen die
Fruchtnoten und ein süßer Sherryeinfluss wird immer präsenter.
Das ist irgendwie fast eine Parallele zum Werdegang Melody Gardots.

Nach einem schweren Unfall im November 2003, verbrachte sie eine lange,
schwere aber vermutlich auch prägende Zeit im Krankenhaus.
Es entstanden Lieder, die letztendlich im Jahre 2005 auf der wundervollen
EP Some Lessons veröffentlicht wurden. Dieser Platte folgte dann schon
kurze Zeit später die Debüt-LP der US-amerikanischen Jazz-Sängerin
und Songschreiberin – eine in vielerlei Hinsicht besondere und emotionale
Scheibe. Beachtet man Ihre Vorgeschichte, dürstet es einem schnell nach
einem etwas kräftigeren Schluck aus dem Nosing Glas. Man kann einfach
glücklich sein, dass diese tolle Musikerin sich nicht von Ihrem Weg hat
abbringen lassen und uns heute mit so warmer, schöner Musik beglückt.
Danke!


Pairing #2:
Auchentoshan Three Wood + Nancy Sinatra & Lee Hazlewood
Einfach verdammt lecker… also beides! Der Three Wood, ein weicher
Lowlandwhisky, trinkt sich super angenehm weg. Ausschlaggebend ist
für mich seine erhebliche Fruchtigkeit. Ich sag da nur: Bourbonfass,
Oloroso-Sherryfass und Pedro-Ximénez-Sherryfass! Da hat Auchentoshan
mal richtig tief und erfolgreich in die Trickkiste des Fassmanagements
gegriffen. Das Ergebnis ist eine wirklich eindrucksvolle, fruchtig dominierte
Aromenvielfalt die mir zuverlässig gute Laune bereitet.

Letzteres entsteht manchmal auch, wenn ich Songs von Nancy Sinatra
höre. In diesem speziellen Fall drehte sich, als Begleitung für die 43
Volumenprozent Alkohol des Three Woods, die LP Did You Ever auf’m
Plattenteller. Aufgenommen in den Poppi Recording Studios, Hollywood,
Kalifornien und 1971 veröffentlicht, versprüht diese Platte für mich ein
Gefühl von sommerlicher Unbeschwertheit, dem Duft mittlerweile
etwas vertrockneter Kornfelder und einer gewissen Hoffnung … vielleicht
nach einem weiteren Erfolg wie These Boots Are Made for Walkin’.
Die Tochter der … ja, Legende Frank Sinatra, wird hier erneut von
Lee Hazlewood begleitet. Als Singer-Songwriter nahm Hazlewood einst
eher erfolglos eigene Platten auf. Die Bekanntschaft zu Nancy Sinatra
wendete das Blatt und beflügelte seine, aber sicherlich auch Sinatras, Karriere.
Gemeinsam erreichten sie 1966 mit These Boots Are Made for Walkin’
Platz 1 der Charts. Das konnten sie mit Did You Ever leider nicht ganz
wiederholen. Trotzdem ’ne tolle Platte und eine gelungene Begleitung für
diesen ziemlich großartigen Whisky aus dem Beam Suntory Portfolio.


Pairing #3: The Ardmore – Port Wood Finish + Pink Floyd – Animals
Der Abend begann ganz tiefenentspannt mit dem the gentle dram.
Nach dem Essen offenbarte sich uns, wie es als “Nachspeise” ja nun
wirklich kaum hätte besser laufen können, eine richtig intensive, leckere
Lowland-Fruchtbombe. So weit so wundervoll! Die Dramaturgie stimmte.
Eine weitere Steigerung stand aber schon bereit.
Erster Eindruck: Die Verpackung sah super aus, sehr liebevoll gestaltet,
echt gutes Design! Ob der Inhalt da mithalten kann?
Vorfreudig füllten wir unsere Gläser. Die natürliche kupfer-rötliche Farbe
des ausgewählten Malts war bereits vielversprechend. Ich rechnete ja
auch direkt mit dem nächsten Ausflug ins Reich der süßen Früchte.
Das stimmte auch, war aber noch nicht die ganze Wahrheit.

Der Ardmore Port Wood Finish ist nämlich 100% peated und wurde
aus leicht rauchigem Malt mit 12 ppm geschaffen. Das Ergebnis ist ’nen
abwechslungsreicher, komplexer Whisky, fruchtig, süß, lieblich aber
trotzdem auch nachhaltig rauchig, im Nachklang sogar fast etwas holzig
und ziemlich lagerfeuerkompatibel. Nach 12 Jahren im Fass, genauer
gesagt im Ex-Bourbon- und Portweinfass, ist dieser handfeste, leckere
Whisky, dessen Ursprung am östlichen Ende der Speyside, in der Ardmore
Brennerei liegt, nicht nur ein ordentlicher Digistif.
Begleitet wurde dieses komplexe Destillat von einer … ja doch noch etwas
vielfältigeren, musikalischen Legende.

Animalsdas zehnte und vergleichsweise rockige Album der großartigen
Band Pink Floyd aus England, wurde vor bald 40 Jahren in den Britannia
Row Studios 
in London aufgenommen und erfreut uns noch heute.
Der Rolling Stone wählte diese sozialkritische Platte auf Platz 13 der 50
besten Progressiv-Rock-Alben aller Zeiten. Wir wählten es für unsere
Whisky & Vinyl Session auf Startplatz 3. Ich habe es sehr genossen die Songs
mal in Ruhe, ganz bewusst und gemeinsam mit Freunden und nem Glas
guten Whisky zu hören. Dieses Erlebnis kann ich nur weiterempfehlen.



Pairing #4: Compass Box – The Peat Monster + BRMC,
Black Rebel Motorcycle Club – The Howl Sessions
Jetzt wird’s monströs! Peaty and smoky, “The Peat Monster”
übernimmt das Zepter. Premiere: Der erste Blend unserer Whisky & Vinyl
Sessions – aber was für einer!!! Wow, er hat es in sich. Vergleicht man den
Whisky mit einer Band, haben wir hier gleich nen ganzes Festival mit
absolut hochkarätig besetztem Lineup. Musikalisch musste ich sofort an
BRMC denken. Aber dazu später mehr.

Die Compass Box Whisky Company hat offensichtlich Gespür für große
Namen und zaubert hier eine rauchige Geschmacksexplosion die Ihres
Gleichen sucht. Headliner in diesem sensibel geblendeten Ensamble
köstlicher Malts sind Laphroig, Ledaig, Caol Ila, Ardmore, Teaninchin,
Clynelish & Dailuaine. Das Peat Monster verbindet, auf seine eigene,
einzigartige und ziemlich intensive Art, wunderschöne Raucharomen aus
unterschiedlichen Regionen Schottlands mit besänftigenden Malz- und
Fruchtnoten und sogar einer Brise frischer, salziger Seeluft.
Dieser Drink ist wohl eher nix für schwache Nerven oder Whisky Rookies.
Wem die, mit Raucharomen druckbetankten, 46 Umdrehungen zu
intensiv sind, dem empfehle ich z.B. nen Peat Monster Old Fashioned,
ein Klassiker unter den Whisky-Drinks, dem das Monster richtig Biss
und Charakter verleiht. Traut euch, auch guten Whisky darf man mixen.
Hauptsache es schmeckt!

Mit der ersten Geruchsprobe aus dem Glencairn Glas, erklingt der
Sound einer tief im Blues verwurzelten Gitarre. Das Bottleneck slidet
tiefgründig über die Saiten und zack – schon befindet man sich gefühlt
nicht mehr in dieser Berliner Altbauwohnung, sondern irgendwo weit
weg, draußen, unterm Sternenhimmel, Grillen zirpen, Kojoten heulen
in der Ferne, das Feuer knistert, es riecht nach Rauch und BBQ …
verdammt, Peat Monster & Black Rebel Motorcycle Club sind echt nen
gutes Pairing. Im August 2005 veröffentlichte die Rockband aus
San Francisco, Kalifornien ihr 3. Album bei zwei verschiedenen
Plattenlabels, RCA und Echo. Der Name Howl ist am gleichnamigen
Gedicht Allen Ginsbergs inspiriert.

Das Finale unserer Session wurde aber nicht von dieser LP, sondern
von der nur ein Jahr später veröffentlichten EP Howl Sessions untermalt.
Sie ist für mich mehr als eine Ergänzung der LP. Mit sechs weiteren Songs,
die bei den Aufnahmen zu Howl entstanden sind, schaffen es BRMC
eindrucksvoll Ihre Musikalischen Wurzeln zu offenbaren, werden erstaunlich
emotional und erdverbunden. Wenn man diese Platte hört und eine
grundlegende Affinität zu Blues, Rock und Country hat, will man sofort
selber zur Gitarre greifen. Bisher meine liebste BRMC-Platte!

… und plötzlich war morgen schon heute. Die Musik ist aus. Alle Gläser
sind geleert. Das waren die ersten 4 Whisky & Vinyl Pairings. Wir hatten
ne super Zeit und Ihr hoffentlich viel Spaß beim lesen.

Eines ist klar: Whisky & Vinyl – Session #2 wird nicht lange auf sich warten lassen.
Also hoch die Tassen, raise your glasses and listen to good music!

Cheers, ahoi & bis bald,
David

Ausführliche Reviews:
Tomintoul 10 Jahre
Auchentoshan Three Wood

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*