SMWS X BRLO – Whisky Events/Review

Scotch Malt Whisky Society lädt zum Beerpairing bei BRLO im Brwhouse Berlin
Um es mit den Worten des alten gallischen Philosophen Obelix zu sagen – “Latürnich!”.
Das war unsere gemeinsame Antwort auf die Frage, ob wir nicht Lust hätten,  beim “SMWS X BRLO” Event zu Gast zu sein.
Die Scotch Malt Whisky Society hatte sich einen Tisch unter Berlins Abendhimmel im Brwhouse reserviert. Hier sollten einige vergangene Abfüllung in Kombination mit Berliner Craftbier genossen werden.

Die SMWS zu Gast im BRWHOUSE. Das klingt nach einem interessanten Abend! Wir verkosten 5 Single Cask Whiskys und 5 dazu passende Biere von BRLO. Durch den Abend führt unser Brand Ambassador (und Bierkenner) Peter Eichhorn.

Ihr kennt BRLO nicht? Die BRLO Brauerei ist der Senkrechtstarter unter Berlins Craft Brewerys. Mit ihren ehrlichen Bieren hat sie die Herzen der Hauptstadt im Sturm erobert und das BRWHOUSE ist einfach nur WOW!


Peter und die Whiskys – unterstützt von Micha und dem Bier.
Moderiert wurde dieser Abend von Peter Eichhorn – freier Journalist, Autor und eben Markenbotschafter für die Scotch Malt Whisky Society. Auf eine sehr charmante und lockere Art verstand er es, die präsentierten Whiskys vorzustellen und auch Fachwissen gespickt mit persönlichen Anekdoten zu vermitteln – ohne aber den Eindruck eines Lehrvortrags entstehen zu lassen. Man hat deutlich gemerkt, dass dort jemand das Thema bedient mit einer Leidenschaft, die wir alle teilen.

 

Von BRLOs Braumeister Michael Lembke wurde selbstverständlich die Vorstellung der Biere übernommen. Im Vorfeld der Veranstaltung hat er zu jedem Whisky ein passendes Gebräu gewählt und uns dann sowohl die Biere als auch die Entscheidung zum Pairing nähergebracht.

 

Genug gefaselt auf zum flüssigen Zeug

SMWSFür alle Abfüllungen gilt: 
– Einzelfässer –
– in Fassstärke belassen –
– nicht gefärbt –
– nicht kühlgefiltert –

“Fresh and fruity frolics”
Aberlour 9 Jahre ✶ 2007 ✶ 59,5% ✶ 1st Fill Bourbon Barrel
SMWS-Code: 54.43
Ein 9jähriger Aberlour aus dem Bourbon Barrel – einer der vielen Gründe warum man unabhängige Abfüller immer auf dem Schirm haben sollte. Ein Whisky der bei Brennereiabfüllungen immer mit ordentlich Sherryeinfluss daher kommt, muss sich hier ohne diesen beweisen. 
SMWS beschreibt wie folgt:
It’s time for a roll around in the long green grass beside the gorse bushes with the floral scents of the freshly washed picnic blankets and freesia flowers heavy in the air. Feeling the tingle of lemon sherbert and popping candy perhaps we should get fresh with peppermint, lemon tart, candied lime peel and strawberries with mint and white wine vinegar. Too hot for you, lets cool off with some water to reveal a soft side as cooked apples and pears come to the fore, nectarines with cream and dark chocolate adding an indulgent whisper to finish.
Pairing: BRLO Berliner Weisse
Dazu gereicht wurde der “Champagne du Nord“, wie schon Napoleon sagte. Das Sauerbier ist dem geneigten Touristen in Kombination mit klebrig-süßem Sirup bekannt – hier kam es natürlich gänzlich pur ins Glas.
Unser Eindruck:
Das war in jedem Fall ein gut gewählter Einstieg – ein schöner kraftvoller Whisky. Es fehlt tatsächlich der gewohnte Sherryeinfluss, sehr süße malzige Aromen, Vanille ist spürbar vorhanden. Aber gerade florale und Fruchtnoten sind in Nase und am Gaumen präsent. Birne, Banane, Apfel kommen in den Sinn. Mit ziemlicher Wucht ist auch das Holz gerade im Abgang spürbar. Aber defintiv nicht unangenehm, sondern eigentlich sehr stimmig.
Die BRLO Berliner Weisse ist eine perfekt gewählte Ergänzung. Der Aberlour fordert den Gaumen schon sehr und die Weisse, mit ihrer säuerlichen Frische, bringt dann etwas Entspannung herein.
Wirklich gut getroffen.
(Andi)

“Mature way beyond its years”
Longmorn 8 Jahre ✶ 2008 ✶ 59,8% ✶ 1st Fill Sherry Butt
SMWS-Code: 7.197
Auch der zweite Whisky sollte ein junger Speysider sein.  
Aber im Gegensatz zum “untypischen” Aberlour, bekommen wir bei diesem  8jährigen Longmorn die volle Sherrywucht zu spüren – stark begünstigt durch satte 59,8% Volumenprozent.
SMWS beschreibt wie folgt:
Even the deep amber colour could not prepare us for the many surprises awaiting us. On the nose neat, sumptuous steamed treacle sponge pudding and a luscious dark chocolate & prune mousse were followed by spiced banana fritters dipped in a decadent hot melted chocolate sauce and a warm spiced (packed with nutmeg, cinnamon and clove) hazelnut-pear (sweet wine infused) cake. Add a tiny drop of water and the room was filled with the aroma of baking chocolate orange pomander cookies whilst on the taste, hazelnut pralines with a glass of Barolo Chinato (fortified wine produced with Nebbiolo grapes in Piedmont).
Pairing: BRLO Weizen My Ass
Als Begleitung wurde das Weizen von BRLO gewählt.
 Frisch vom Fass machte es sich auf,
die Sherrywucht zu ergänzen.

Unser Eindruck:
Auch hier im Longmorn steckt sehr viel jungendliche Kraft. Das Sherryfass ist ziemlich dominant. Holz, dunkle Früchte und Zigarrentabak schieben sich in die Nase. Geht aber alles gut zusammen. Die dunklen Früchte und das Holz bleiben am Gaumen – Pflaume, Rosinen und leicht nussig-vanillige Süße. Insgesamt sehr trocken und schwer – der Abgang bekommt dazu noch eine leicht pfeffrige Würze. Der Longmorn kam im Tasting insgesamt sehr gut an, hat aber mit mir seine Schwierigkeiten
gehabt – zu intensive Sherryfässer können mir manchmal zu dolle sein. Auch mit Longmorn generell bin ich noch nicht so richtig warm geworden. Daher sei mangelnde Euphorie meinerseits nicht zu hoch zu bewerten. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass ich auch kein Weizenbierfreund bin, wurde hier ein “stimmiges” Pairing geschaffen. ;-). Mir wurde aber auch diesbezüglich am Tisch bestätigt, dass ich keine Ahnung habe und es sich um ein sehr leckeres innovatives Gebräu gehandelt hat.
(Andi)

“Complex duality”
Glengoyne 14 Jahre ✶ 2001 ✶ 55,7% ✶ 2nd Fill Ex-Port Barrique Finish
SMWS-Code: 123.17
Mit Glengoyne wurde uns wieder eine sherrylastige Brennerei präsentiert.

Doch kam auch dieser 14jährige Single Malt ohne seinen typischen Einfluss um die Ecke.
In diesem Fall durfte ein Port-Barrique zum Finish herhalten. Das klang  für uns sehr vielversprechend.
SMWS beschreibt wie folgt:
Twelve years in bourbon, then finished in a second fill port barrique. The nose is sweet (tablet, corn candies, orange jelly, Edinburgh Rock),but also slightly metallic (chocolate coins in foil, tin of Anton Berg chocolate plum marzipans); then toasted coconut and hazelnut shells. The palate is sweet, juicy and fruity at the front (Jaffa cakes, upside-down pineapple cake, brown sugar on cooked pear) but with a back-burner of warming ginger, clove and spiced oak. Water brings moist tobacco and candy floss to the nose and the palate is now juicy as jam, the gentle tannic spice receding to the after-taste.
Pairing: BRLO German IPA
IPA, IPA, IPA – gerade in Berlin kann man sich davor ja kaum noch retten. Ähnlich wie beim Whisky, ist hier eine umfangreiche Aromenvielfalt möglich, die von IPA zu IPA immer etwas anders ausfallen kann. Das unfiltrierte BRLO German IPA enthält nur heimische Hopfensorten und kommt laut Micha mit “ordentlich Wumms” und “anständig bitter” um die Ecke.
Unser Eindruck:
Fruchtig süß kommt der Glengoyne in die Nase – ein wenig wie eine Dose von diesem gezuckerten “Fruchtcocktail”. Das Portfass muß man aber schon eher suchen. Am Gaumen ist es dann etwas präsenter – ein wenig Dörrobst, leichte Würze, Vanille und Toffee. Er entwickelt eine sanfte Cremigkeit die mit leichter Ingwerschärfe ergänzt wird. Im Abgang bleibt er leicht würzig, leicht trocken und bekommt leicht malzige Süße. Sehr elegantes Ding. Das Portfinish ist wirklich toll gelungen – nicht so dominant, aber die perfekte Ergänzung zum süß-fruchtigen 
Glengoyne-Charakter. Good Job.
Das gilt auch für Michas Bierwahl – das BRLO IPA läßt an dem, mit Glengoyne vorbehandelten, Gaumen eine Fruchtexplosion entstehen. Das German-IPA ist ansich schon wirklich ein sehr feines Bierchen, welches zu den besten seiner Art zählt. Aber in Kombination mit dem”Complex duality”  ist das fruchtiger Sommer im Mund.

(Andi)

“Brighten up your day!”
Glenrothes 24 Jahre ✶ 1992 ✶ 46,7% ✶ Refill Ex-Bourbon Barrel
SMWS-Code: 30.92
Und wir packen nochmal 10 Jahre drauf und kommen zum ältesten Kandidaten am heutigen Abend.
Der Glenrothes hat es nach 24 Jahren auf natürlichem Wege fast zur Trinkstärke gebracht.
SMWS beschreibt wie folgt:
The nose neat had all the goodness of a creamy, milky porridge with crunchy honey and cardamom toasted almonds, a hint of cinnamon and a sprinkle of sea salt and right at the end we added a ripe peach, peeled and cut into quarters. Very fruity on the palate like a well-aged Mirabelle plum brandy – slightly perfumed with a little spice of ginger, cloves and white pepper. A drop of water and fresh herbs appeared together with candied lime, orange peel and some crystallized ginger in a chocolate chip muffin and on the taste, pleasantly zesty like an almond-orange smoothie.
Pairing: BRLO Helles
“Ey Yo Keule, ziehste mir mal’n Helles vom Hahn?!”
Zu dem 24er Glenrothes, hat sich Micha ganz schnörkelfrei für einen Klassiker entschieden.
Hier gab es ein ehrliches Helles – feinhopfig und nicht so bitter.
Unser Eindruck:
Der Glenrothes kommt in der Nase floral und tropisch-fruchtig daher, dazu ein wenig Holz und viel Vanille. Am Gaumen dann leichte Orange und Grapefruit und die europäische Eiche bringt dezente Bitterstoffe mit sich. Eine malzige Vanillesüße bleibt aber vorhanden und rundet das Gaumenerlebnis schick ab. Im Abgang dominiert das trockene Holz, die malzige Süße – die Bitternoten sind vorhanden, aber etwas dezenter.
Das BRLO Helles hat hier einen ähnlichen Effekt, wie beim ersten Pairing. Sehr erfrischend schafft es seichte Entspannung am Gaumen, ohne zu viele Eindrücke des Whiskys wegzuwischen.
“Bitter Sweet Symphony”
(Andi)

“Cooking with driftwood”
Laphroaig 20 Jahre ✶ 1996 ✶ 50,9% ✶ Refill Ex-Bourbon Hogshead
SMWS-Code: 29.228
Oh Wunder, zum Schluß gab es noch einen Stinker – den Reaktionen nach zu urteilen, genau das, worauf die meisten gewartet haben. Für Freunde von intensiven Islaymalts ist ein 20jähriger Laphroaig natürlich oft das Highlight des Abends – oder etwa nicht?
SMWS beschreibt wie folgt:
Sitting on the beach we had gathered driftwood for the fire and proceeded to burn toast on sticks.  We threw into an iron pan a fistful of sweet chestnuts and readied steak and  tuna to be fried with coconut oil and soy sauce over peat for a heavenly reek.  We used plenty of fresh herbs and liquorice mixed with walnut oil and honey for our sweet salad dressing.  The fresh and salty breeze off the sea combined with seaweed and old ship’s rope to create an evocative aroma,  reminding us of times spent at the harbour with its tar-covered wood.  We opened a fine bottle of aged Riesling and admired its minerality and rich,  petrolic and oily character. A perfect afternoon that we wish could last forever.
Pairing: Black Helles
In Kooperation mit Pirate Brew Berlin entstand das “Antonia’s Secret” – ein dunkles Helles Bier,
welches sich erdig frisch, seicht bitter und leicht süß präsentiert.
Unser Eindruck:
Joa, ist ein Laphroaig – intensiver Torfrauch, die typische Süße, Asche und Mullbinde. Neben weißen Trauben und Stachelbeeren, runden Vanille und Getreide 
die Aromenpalette ab. Der Gaumen ist Laphroiag pur – für das Alter kommt der Rauch noch richtig schön wuchtig, fühlt sich aber trotzdem sehr sanft und cremig an. Maritime Salznoten und feuchte Asche dürfen natürlich auch nicht fehlen, um den Laphroaig-Fan glücklich zu machen. Im Abgang melden sich die fruchtigen Noten wieder zurück und ergänzen die üblichen Rauchnoten – insgesamt lang und trocken, aber trotzdem maritim frisch. Das Bier war dann auch in diesem Fall schön gewählt, da sich die erdige Frische ein wenig wie der “sanfte” Zwillingsbruder des Laphroaigs präsentierte – kann mir gut vorstellen, dass aufgrund der Intensität des Whiskys, das Bier nicht in Gänze zum Tragen gekommen ist. Letztendlich ging es hier aber auch um die Kombination – und die hat gepasst. In jedem Fall hab ich große Lust, mir das Black Helles mal neutral zuzuführen. Gerade für einen Islayliebhaber möglicherweise DAS Bier.
(Andi)

So darf ein lauer Frühlingsabend ablaufen
Schön war’s gewesen. Die Scotch Malt Whisky Society wollte alten und kommenden Mitgliedern einen schöne Zeit bereiten. Gerade in Zusammenarbeit mit dem Team von BRLO ist das sehr fein gelungen. Im Prinzip hat alles mitgespielt – der Whisky, das Bier, die Location und das Wetter.
Gerade die Pairings möchte ich da nochmal sehr lobend erwähnen. Es wirkte definitiv nicht so wie “Na komm, da hauen wir jetzt mal schnell ‘nen Paar Biere raus!”, sondern wirklich so, dass BRLOs Micha sich ernsthaft Gedanken gemacht hat, welches seiner Biere am allerbesten dem entsprechenden Whisky zugutekommen kann – very good job.

 

Abschliessend ein großes Dankeschön an die SMWS, BRLO, das Brwhouse-Team, Claudia, Nadine, Peter und Micha für einen ganz entzückenden Abend unter freiem Himmel.

Cheers
Andi & David

512x512RAISE YOUR GLASSES AND LISTEN TO GOOD MUSIC!

 


2 out of 3 – One Bourbon, One Scotch, One Beer
Ein vielfach interpretierter Bluessong aus 1953, der besonders durch die Aufnahmen von John Lee Hooker (1966) und George Thorogood (1977)
Bekanntheit erlangte.
John Lee Hooker – The Real Folk Blues – 1966

Fotos: Whisky und Vinyl

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