Laphroaig 30yo Limited Edition – Whisky Review

laphroaig 30yo

„I must go down to the sea today. I must go down to see the sky
and all I ask is an Islay cask and good friends to drink it dry.“

Mit diesen feierlichen Worten, von Dudelsackmusik untermalt, eröffnete
John Campbell, Master Distiller der Schottischen Laphroaig Distillery,
die Verkostung seiner neuesten Kreation. Stolz stellte er den Protagonisten
des Abends, den neuen Laphroaig 30 Jahre limited edition vor.

Was für´n feierlicher Moment! Offensichtlich echt Neugierig auf Reaktion
und Meinung der geladenen Gäste, aber vermutlich besonders gespannt
auf die erste Kostprobe, öffnete er wild entschlossen fix die hölzerne Box
und dann, mit einem satten „plop“, die Flasche.

Wir konnten es kaum glauben, aber der Master Distiller behauptete
doch allen Ernstes, selber den neuen Whisky noch nie probiert zu haben,
jedenfalls nicht nach der Abfüllung in Flaschen. Najut, desto größer die
Ehre für uns, das nun gemeinschaftlich ändern zu dürfen.

Spielort des Geschehens war die Berliner Laphroaig Lounge, liebevoll
und bis ins Detail stilecht eingerichtet, Pilgerstätte für alle Freunde der
Schottischen Distillery von der Insel Islay und besonders ihrer Whiskys.
Feierlich und noch immer von Dudelsackmusik begleitet, erhoben wir
gemeinsam die Gläser. Sláinte! Die Sackpfeife verstummte. Chorartiges
„Ah“, „oh“ und „hm“ erfüllte bedächtig den rappelvollen Raum. Spannung!
Was kann er wohl, der edle Tropfen? Wird er seinem „großen Bahnhof“
gerecht? Da es vermutlich ein sehr besonderer Drink ist, nehmen wir das
jetzt mal etwas genauer und ausführlicher als gewohnt unter die Lupe!

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Herkunft/Brennerei
Laphroaig (= la-froig [læˈfrɔɪg]), liegt in einer romantischen, kleinen Bucht
auf der HebridenInsel Islay an der schottischen Westküste. Ursprung der
heute berühmten Distillery, war einst eine kleine Farm-Brennerei, die nur
für den Eigenbedarf betrieben wurde.
Die Brüder Donald & Alex Johnston machten es dann ne Nummer größer.
Sie gründeten 1815 ganz offiziell die Laphroaig Destillerie, die dann bis
1954 in Familienbesitz blieb. Heute gehört die Brennerei zum japanisch-
amerikanischen Beam-Suntory-Konzern.

Fakten
30 Jahre reifte der neue Laphroaig Limited Edition auf Islay in first fill
Ex-BourbonCasks. Besonders ist, dass er die 30 Jahre wohl nicht in ein
und demselben Fass verbrachte, sondern nach einigen Jahren in ein
zweites umgefüllt wurde, wieder first fill Ex-Bourbon. Eine Besonderheit
ist auch der langjährige Aufenthalt der Fässer auf Islay. Die Single Malts
der Brennerei werden nach wie vor traditionell auf der Insel gelagert.
Andere Produkte reifen aber oft in großen Hallen auf dem Festland.

Das neue Mitglied der Laphroaig-Familie kommt mit fassstarken 53,5 Vol. %
Alkohol daher, ist limitiert und wurde in glasklare 0,7 l Flaschen abgefüllt.
Ich mag ja die klassisch grünen Flaschen, aber so kommt seine Farbe nicht
nur im Glas gut zur Geltung. Verpackt ist das Ganze in eine edle, weiß-graue,
hölzerne Box. Ist das ein optisches Zitat der amerikanischen Weißeiche, aus
deren Holz die Ex-Bourbon-Fässer gefertigt wurden? Vielleicht. So schön,
stilvoll und angenehm schlicht das visuelle Auftreten dieser Abfüllung aber
auch ist, die inneren Werte zählen …und die haben es in sich!

Ein offizieller Preis ist uns noch nicht bekannt. Wenn man sich aber am
Vorgänger oder auch am Laphroaig 32 orientiert, wird er wohl eher recht
üppig und vermutlich sogar vierstellig ausfallen.

Nase
Tja, was erwartet man wohl!? Richtig, Torfrauch! Über Torffeuer getrocknetes
Gerstenmalz bildet eindeutig die Grundlage. Torfrauchiger Salbei, Salz und etwas
Seegras sind, wenn auch dezent, mit von der Partie. Je älter, desto komplexer
und tiefer die Aromen? Hier trifft´s zu. Der in jungen Jahren extreme Torfrauch
verwandelt sich mit der Zeit etwas, macht Platz für eine komplexe Aromenvielfalt,
gibt holzig-vanillige Eiche, getrocknete Tabakblätter und sogar süße Fruchtaromen
frei, keine Zitrusfrüchte, eher so Mango oder Papaya. Nach nen paar Minuten
Hin-und-her-Geschwenke im Glas und etwas Handwärme, entwickelt sich der
Duft deutlich weiter, wird vanilliger, fast etwas karamellig. Noch 1-2 Tropfen
Wasser hinzu und zack … da geht er mal richtig auf. Total gutes Geruchserlebnis!

Körper
Der 30er ist tiefaromatisch, komplex, anspruchsvoll, kräftig und ziemlich
trocken. Am Glas elegant ölig, will er wohl mit Ruhe genossen werden,
man muss sich drauf einlassen und ihm Zeit geben.

Gaumen
Trocken! Wow, hab ich so noch nie erlebt. Kein Sherry, kein Port, kein
„Schnickschnack“, ganz gradlinig! Nur Ex-Bourbon halt … und das über 30 Jahre.
Der ist richtig straight, sofort mit aller Kraft am Start. Torfrauch, Vanille und auch
etwas Süße ist direkt dabei.
Aber der erste Eindruck war echt prägnant und bleibt ziemlich trocken.

Abgang/Nachklang
Oh ha, der bleibt aber lange, wird immer weicher, karamelliger, dann wieder
etwas tabakartig, floral und im Hals immer wärmer und wärmer und wärmer 😉
Ach ja, und trocken ist er, ziemlich trocken.

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Meinung
Ja, er wird dem großen Bahnhof gerecht. Das ist ein ausgesprochen komplexes,
hochqualitatives Getränk, in dessen Herstellung offenbar wirklich viel Zeit, Liebe
und Können gesteckt wurde. In der Pressemitteilung Laphroaigs ist von einem
„Premium Scotch Single Malt“ mit „unverkennbarem Geschmack“ die Rede, von
„einem Whisky für besondere Genussmomente“. Das kann ich so besten Gewissens
bestätigen.
Einziges Problem für mich, wird da vermutlich der Preis. Abwarten, aber hoffen
wir mal, dass dieses Getränk nicht nur den „oberen 10 000“ vorbehalten bleibt
oder gleich auf Nim­mer­wie­der­se­hen in den Archiven genussscheuer Sammler
verschwindet. Dieser Whisky ist echt zu gut um ihn nicht zu trinken!

Auch wenn der Laphroaig 30yo nicht mein Liebling wird (total subjektiv – ich bin
einfach kein großer Freund von sehr trocknen Whiskys), ist er fantastisch und wird
definitiv viele Whiskytrinker auf irgendeine Wolke 7 über Islay katapultieren.

Cheers & ahoi,
David

Apropos Wolke 7! Beim schreiben der Review hab ich eine ganz wundervolle,
neue Platte für mich entdeckt und sie bestimmt drei Mal rauf und runter gehört.
Wer Iron & Wine kennt und schätzt, muss diese Platte einfach hören.
Sam Beam (of Iron & Wine) im Duett mit Jesca Hoop – Love Letter For Fire.

       Überblick

  • Alter: 30 Jahre
  • Fass: first fill Ex-Bourbon
  • Farbe: helles Gold
  • Rauchigkeit: Torfrauch
  • Umdrehungen: 53,5 Vol. % Alkohol
  • Fassstärke: ja
  • Typ: Single Malt
  • Herkunft: Schottland
  • Region: Islay
  • Brennerei: Laphroaig
  • Abfüller: Eigentümer-Abfüllung
  • Auflage: limitiert
  • Farbstoff: nö

Bilder: Whisky und Vinyl;  bis auf Pack Shot Laphroaig 30yo: fischerAppelt, relations GmbH

 

2 comments on “Laphroaig 30yo Limited Edition – Whisky Review

  1. Schöne review, vielen dank! Hoffe, wir bekommen einen Tropfen beim Whisky & Vinyl #5 kredenzt 🙂

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